Wann gilt die Miete als rechtzeitig bezahlt?
21. März 2017
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Wie lange müssen Eltern Ausbildungsunterhalt bezahlen?

Wenn ein Kind jahrelang studiert und dann ggf. sogar noch das Studienfach wechselt, kommt die Frage auf, ob die Eltern verpflichtet sind, dies weiter zu finanzieren. Grundsätzlich hat das Kind gemäß § 1610 Abs. 2 BGB im Rahmen seines Unterhaltsanspruchs ein Recht auf die Finanzierung einer angemessenen Ausbildung. Hierunter fällt auch ein Studium.

Ob eine „zweite Ausbildung / Studium“ von den Eltern finanziert werden muss, hängt in erster Linie davon ab, ob eine Weiterbildung oder eine Zweitausbildung vorliegt.

Eine Zweitausbildung liegt vor, wenn das Kind über eine bereits abgeschlossene erste Ausbildung verfügt. Für eine zweite Ausbildung bzw. ein zweites Studium besteht grds keine Finanzierungspflicht der Eltern (BGH FamRZ 2000, 420).

Um eine Weiterbildung handelt es sich, wenn die geplante Ausbildung noch nicht beendet ist. Hier besteht dann weiterhin eine Unterstützungspflicht der Eltern, wenn diese Weiterbildung von Anfang an angestrebt wurde. Weiterhin besteht eine Finanzierungspflicht, wenn sich erst während der ersten Ausbildung eine besondere Begabung des Kindes zeigt, die eine Weiterbildung erfordert oder der erste Abschluss ohne die Weiterbildung keine hinreichende Lebensgrundlage bietet, was zuvor nicht vorhersehbar war (BGH FamRZ 1977, 629).
Bei einer gestuften Ausbildung differenziert die Rechtsprechung wie folgt:

Abitur -> Lehre -> Studium: Es reicht, wenn das Kind sich erst nach Beendigung der Lehre dazu entschließt, zu studieren. Der Grund hierfür ist, dass ein Abiturient sich bei Beginn der praktischen Ausbildung in Bezug auf ein späteres Studium oft noch nicht schlüssig ist (BGH FamRZ 2017, 799, 800).

 

Lehre -> Fachhochschulreife -> Studium: Die spätere Weiterbildung (einschließlich Studium) muss von dem Kind schon bei Beginn der praktischen Ausbildung angestrebt werden. Nur dann besteht eine Finanzierungspflicht der Eltern. Der Grund hierfür sind nach der Rechtsprechung die schutzwürdigen Belange der Eltern. Diese müssen sich bei der eigenen Lebensplanung darauf einstellen können, wie lange sie ihr Kind finanziell unterstützen müssen (BGH FAmRZ 2017, 799, 800).

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