Hier finden Sie alle Informationen rund um die Anwaltskosten. Wie berechnen sich Anwaltskosten und wie setzt sich die Höhe der Kosten zusammen.

Wie werden Anwaltskosten berechnet? *

Die Gebühren für anwaltliche Leistungen sind im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) festgelegt.

 

(1) Erstberatung

Die Kosten einer ersten Beratung sollen gemäß § 34 RVG vorher zwischen Anwalt und Mandant verabredet werden. Wird keine Vereinbarung getroffen, beträgt die Vergütung bei Verbrauchern für eine Erstberatung nicht mehr als 190,00 Euro, bei zusätzlicher schriftlicher Ausarbeitung 250,00 Euro *(jeweils zzgl. 19 % USt).

  • 190,00 – 250,00 Euro für Erstberatung

 

Als Extra-Service bieten wir für unsere Mandanten folgende Pauschalpreise an:

  • Überprüfung Arbeitsvertrag: 130,00 Euro
  • Überprüfung Abmahnung bei Arbeit: 85,00 Euro
  • Überprüfung Betriebs- und Nebenkostenabrechnung: 85,00 Euro
  • Überprüfung Flug- / Bahnverspätung: 100,00 Euro
  • Patientenverfügung & Vorsorgevollmacht: 350 Euro
  • Testament: Pauschalhonorar vereinbar

 

(2) Außergerichtliche Kosten

Sobald der Anwalt für den Mandanten (nach der Erstberatung) tätig wird, fällt in der Regel mind. eine 1,3 Geschäftsgebühr – berechnet aus dem Streitwert – an.

Was ist der Streitwert?

Wenn der Mandant z.B. der Verkäufer einer Kaufsache ist, vom Käufer aber den Kaufpreis in Höhe von 2.000 Euro nicht erhalten hat und diesen nun über den Anwalt geltend machen will, beträgt der Streitwert 2.000 Euro. Im RVG ist für den Streitwert 2.000 Euro eine Gebühr in Höhe von 150,00 Euro festgelegt. Bei außergerichtlichem Tätigwerden fällt nun für diesen Fall die 1,3 Geschäftsgebühr an. Berechnet werden die Kosten also wie folgt: 1,3 x 150,00 € = 195 €.

Hinzu kommen bei Anwaltskosten immer eine Pauschale für Telekommunikation und Postverkehr (max. 20 EURO) sowie die Umsatzsteuer.

Diese Kosten fallen in dieser Höhe nur an, wenn es beim außergerichtlichen Tätigwerden des Anwalts bleibt. Wenn es zum Klageverfahren kommt, ist die Geschäftsgebühr in der Regel nur zur Hälfte zu bezahlen.

  • mind. 1,3 Geschäftsgebühr (die Hälfte, falls gerichtliches Verfahren folgt)
  • 1,5 Einigungsgebühr, falls ein Vergleich geschlossen wird
  • Auslagenpauschale für Post- und Telefonkosten (max. 20 €)
  • 19% Umsatzsteuer

 

Mandant und Anwalt können abweichend vom RVG auch andere Gebühren vereinbaren, z.B. Pauschal- oder Zeithonorare.

Zeithonorar:

Es besteht die Möglichkeit, dass Mandant und Anwalt vereinbaren, dass der Anwalt nur die Stunden bezahlt bekommt, die er wirklich tätig ist. Der Mandant erhält dann eine genaue Aufschlüsselung, wie viel Zeit für welche Tätigkeiten verwendet wurde, z.B. 30 Minuten zur Erstellung eines Schriftsatzes an die Gegenseite.

Wann sollte ein Zeithonorar vereinbart werden?

  • Für den Mandanten bietet sich die Vereinbarung eines Zeithonorars an, wenn der Streitwert hoch ist und noch nicht genau abgeschätzt werden kann, welcher Aufwand auf den Anwalt zukommt. Der Mandant erhält dann nach Zeit aufgeschlüsselte Rechnungen, wofür der Anwalt wie viel Zeit gebraucht hat.
  • Für den Mandanten bietet sich ein Zeithonorar auch dann an, wenn er viele verschiedene Anliegen hat. Dann würde für jedes Anliegen eine separate RVG-Gebühr anfallen.
  • Aus Sicht des Anwalts ist ein Zeithonorar bei manchen Fällen notwendig, um den Kanzleibetrieb wirtschaftlich aufrecht erhalten zu können. Dies ist z.B. der Fall, wenn Auskunftsansprüche geltend gemacht werden, die sich – aufgrund der Streitlust – über Jahre hinwegziehen, aber für den Anwalt kaum Geld einbringen. Dies ist für eine Kanzlei wirtschaftlich nicht tragbar, da die Gehälter der Mitarbeiter, Miete, Kopier- / Telefonkosten usw. aufgebracht werden müssen.
  • Anders als manche andere Kanzleien berechnen wir ausschließlich die Tätigkeit des Anwalts! Das Tätigwerden unserer Rechtsanwaltsfachangestellten / Rechtsfachwirtin wird nicht berechnet.

Pauschalhonorar:

Mandant und Anwalt können für das Tätigwerden auch eine Pauschale vereinbaren. Dies bietet sich an, wenn der Aufwand für den Anwalt zu Beginn bereits sicher abgeschätzt werden kann.

 

 

(3) Gerichtliche Kosten

Auch die gerichtlichen Kosten berechnen sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Es gibt auch hier festgelegte Gebühren, die sich anhand des Streitwertes bemessen.

Streitwert beim gerichtlichen Verfahren:

Der Streitwert wird bei einem gerichtlichen Verfahren vom Gericht festgesetzt.

Bsp: Wenn die Kaufpreisforderung iHv 2.000 € gerichtlich eingeklagt wird, beträgt der Streitwert auch hier 2.000 €.

 

Gerichtliche Gebühren:

  • 1,3 Verfahrensgebühr
  • 1,2 Terminsgebühr
  • 1,0 Einigungsgebühr, wenn ein Vergleich geschlossen wird

 

Im Strafrecht / bei Ordnungswidrigkeiten wird nicht nach einem Streitwert abgerechnet, sondern das Gesetz enthält für jede Tätigkeit einen vorgeschriebenen Rahmen, innerhalb dessen abgerechnet werden darf. Natürlich sind auch hier Individualvereinbarungen möglich.

 

(4) Ratenzahlung

Sollten Sie unsere Tätigkeit in Anspruch nehmen wollen, aber der Gesamtpreis ist für Ihr monatliches Budget zu sehr belastet, besteht selbstverständlich die Möglichkeit, das Honorar in Raten zu zahlen. Sollte Ihnen dies bereits zu Beginn bekannt sein, sagen Sie im Erstgespräch Bescheid und dann werden wir uns über Raten in jedem Fall einig. Sollte diese Situation während der laufenden Tätigkeit auftreten, geben Sie bitte auch dann Bescheid. Eine Lösung findet sich immer! Es schädigt nur leider die Vertrauensbeziehung zwischen Anwalt und Mandant, wenn sich der Anwalt die größte Mühe gibt, der Mandant dann aber wiederholt „die Rechnungen nicht erhält“, ohne Angabe umzieht oder sich grundlos weigert, zu zahlen.

 

(5) Beratungshilfe / Prozesskostenhilfe / Verfahrenskostenhilfe

Sollten Ihre finanziellen Verhältnisse vor der ersten Beratung derart angespannt sein, dass Sie für die Erstberatungsgebühr nicht selbst aufkommen können, gibt es die Möglichkeit, Beratungshilfe beim Amtsgericht Ihres Wohnortes zu beantragen. Lassen Sie sich vor dem Erstberatungsgespräch beim Amtsgericht hierfür einen Termin geben und bringen Sie den Beratungshilfeschein dann zur Erstberatung mit. Vor dem Beratungsgespräch sind dann bei uns in der Kanzlei 15,00 Euro zu bezahlen. Hierbei handelt es sich um eine gesetzlich festgelegte Zuzahlung.

Sollten Sie verschiedene Anliegen haben, müssen diese alle auf dem Beratungshilfeschein vom Amtsgericht vermerkt werden bzw. Sie müssen mehrere Beratungshilfescheine beantragen, ansonsten können wir hierfür nicht tätig werden.

Die Beratungshilfe umfasst eine kurze Erstberatung sowie ein Anschreiben des Gegners. Weitergehende außergerichtliche Tätigkeit wird hiervon nicht erfasst.

 

Sollte es zu einem Prozess kommen, besteht dann die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen. Hierfür erhalten Sie von uns ein Formular. In diesem müssen Sie u.a. alle Einnahmen und Ausgaben aufführen, Mietnachweise sowie Lohnabrechnungen beilegen. Das Gericht entscheidet dann, ob Ihre finanziellen Verhältnisse den Vorgaben für die Gewährung von Prozesskostenhilfe entsprechen. Sollten Sie Prozesskostenhilfe erhalten, erhält der Anwalt ein Honorar vom Staat. Gegebenenfalls müssen Sie in den Jahren nach dem Prozess in Raten Teile der Kosten an den Staat zurückbezahlen, wenn sich Ihre finanziellen Verhältnisse gebessert haben sollten.

 

In Familienstreitsachen heißt es statt Prozesskostenhilfe „Verfahrenskostenhilfe“.  Inhaltlich gilt das Gleiche.

 

(6) Wer ist Gebührenschuldner?

Gebührenschuldner des Anwalts ist in jedem Fall zunächst der Mandant. Mandant und Anwalt schließen einen Vertrag und der Mandant muss dem Anwalt sein Honorar bezahlen. Sollte sich der Schuldner außergerichtlich bereits in Verzug befunden haben, bevor der Anwalt tätig wird, können die Anwaltskosten ggf. als Verzugsschaden gegenüber dem Gegner geltend gemacht werden. Bei einem gerichtlichen Verfahren, in welchem der Mandant gewinnt, muss der Gegner dessen Anwaltskosten tragen. Im Endeffekt bezahlt der Mandant also nichts. Zunächst einmal hat er dem Anwalt aber nach dessen Tätigwerden sein Honorar zu bezahlen, denn ein Kanzleibetrieb muss wirtschaftlich aufrechterhalten werden. Sobald das Urteil rechtskräftig ist, wird von uns für den Mandanten Kostenfestsetzung beantragt. Es ergeht dann ein Kostenfestsetzungsbeschluss (wer wie viele Kosten trägt) durch das Gericht. Dies bedeutet, dass dann gerichtlich festgelegt ist, wer die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen muss. Wenn der Mandant gewonnen hat, wird festgelegt, dass der Gegner die Kosten trägt. Gegen diesen Kostenfestsetzungsbeschluss kann der Gegner auch Beschwerde einlegen. Tut er dies nicht oder wird seine Beschwerde zurückgewiesen, wird der Beschluss rechtskräftig. Hierbei handelt es sich um einen Vollstreckungstitel. Wenn der Gegner also nicht zahlt, kann für den Mandanten die Zwangsvollstreckung beantragt werden. Der Mandant erhält also seine verauslagten Kosten dann vom Gegner zurück.

*(jeweils zzgl. MwST.)

 

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